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scheint die sonne
für die sonne
jeden tag?
jeden schatten
jeden anflug von dunkelheit
verblendet sie
die nähe eines wesens
eines planeten
ist unmöglich
sie strahlt wärme aus
doch kann sie keiner wärmen
so leuchtet sie ohne rast
auf der suche nach etwas
das jeder hat
-nur die sonne nicht
warum haben die wichtigsten meldungen
bei facebook die wenigsten likes
tief im innern verschlungen
klagen die menschen kein leid
freunde sind nur kontakte
kontakte sind nur
wenn etwas fließt
in der funkstille
liegt die qual:
bloß pro forma
oder eine gute wahl?
ich stehe da
und sag mal
das nächste mal
das nächste mal ist da
und ich denk mir
das nächste mal
das nächste mal ist da
ich werd unsicher und glaube
das nächste mal
das nächste mal ist da
ich quäl mich und erlös mich
das nächste mal
war letztes mal
wenn ich ein flugzeug höre
oder einen werbespot sehe
wenn ich das wetterleuchten beobachte
oder ich in einem plattenbauzimmer stehe
wenn ich eine banane esse
oder einen karierten schlafanzug trage
fliegen mir bilder um die ohren
die ich kaum sortieren kann
die farben schlagen ein
wie eine bombe
und atemberaubend
bringen erinnerungen
mich schnell ins stocken
in dem kurzen lichten moment
wenn mir silhoutten bekannt erscheinen
japsend nach luft
ehe ich zur oberfläche auftauche
zerfallen sie in winzige ziegel
der schmetterlingsflügel
Herr K. geht
"Sie müssen sich das nochmal genau überlegen.", sagte der Pförtner eindringlich. "Ich habe nachgedacht, sehr lang sogar und ich bin jetzt und hier zu dem Schluss gekommen, dass es nur so geht.", antwortete Herr K. ruhig. Der Pförtner warf einen flüchtigen Blick zum Boden und wippte leicht von einem Bein aufs andere. "Muss das denn sein? Sie werden vielleicht nie wieder zurückkommen. Seien sich darüber im Klaren!", wurde er streng. "Mir ist das bewusst. Ich entscheide mich ja immer mit einem Risiko, dass alles schief geht. Aber dieses Risiko habe ich auch hier. Und ich habe festgestellt, dass das Risiko zu Scheitern hier größer ist als dort.", sagte Herr K. und ging dabei einen Schritt auf den Pförtner zu als wolle er ihn einladen mitzukommen.
"Ich verstehe Sie nicht. 25 Jahre haben Sie hier gelebt und jetzt wollen Sie gehen. Ich bin hier bereits über 2000 Jahre und habe nie das Gefühl gehabt, gehen zu müssen.", eröffnete der Pförtner nachdenklich. "Ich bin hier groß geworden, zur Schule gegangen, meine Eltern wohnen gleich um die Ecke, ich habe regelmäßig Arbeit und bin im Alter gut versorgt.", sagte der Pförtner. Herr K. schaute ihn neugierig an. "Erzählen Sie weiter.", forderte Herr K. den Pförtner auf. "Ich habe meine Frau hier kennengelernt und ungefähr 6000000000 Kinder mit ihr gezeugt, auf die ich sehr Stolz bin. Ich liebe mein Leben und bin dankbar für all die Dinge, die mir in dieser Gesellschaft wiederfahren sind. Ich freue mich an einen Gott zu glauben und bin ebenso glücklich über all die technischen Erleichterungen des Alltags. Ich kann mir das einfach nicht vorstellen, all das hinter mir zu lassen." Der Pförtner wirkte etwas ratlos. "Es ist doch auch so: Ich lebe hier und es gibt Regeln", führte der Pförnter weiter aus, schon fast lehrend, "Gesetze, die mein ganzes Leben hindurch Orientierung und Sicherheit verliehen haben und auch weiterhin verleihen. Ich wüsste nicht, wo ich wäre ohne diese Gesetzmäßigkeiten. Sehen Sie, ich bin doch auch ein Produkt dessen, worin ich lebe." Der Pförtner blickte hoffnungsvoll in die Augen von Herrn K., in der hohen Erwartung er gebe nun auf und wende sich der Stadt zu. Doch Herr K.'s Blick wanderte nur zum Himmel und er sagte: "Ich verstehe das. Ich bin froh, dass Sie glücklich sind, dass Sie etwas haben, was Sie erfüllt, wofür Sie auch ehrlich dankbar sind.", Herr K. blickte zum Boden, als suchte er den roten Faden seiner Gedanken, den er brauchte um dem Pförtner deutlich zu machen, dass das, was er wollte, nicht das war, was ihm die Stadt bot.
"Sie kennen doch den Schneider Nadelöhr.", fiel ihm scheinbar eine Idee zu, "der nahe dem Rathaus wohnt." "Ja, klar, den kennt doch jeder, der schon mal ein Loch zu stopfen hatte." "Wie alt ist er? Hatte er nicht letzte Woche seinen 78. Geburtstag?", fragte Herr K. nach, scheinbar derart von seinem Einfall überrascht, dass er nun selbst sich für den Schneider interessierte. "Ja, ich glaube, so alt ist er mittlerweile.", antwortete der Pförtner. "Nun, sagen Sie, wie lang, macht er das schon? Ich meine, wie lange schneidert er schon?", fragte Herr K. nach. "Ich glaube,", der Pförtner tippte mit seinem Zeigefinger an sein langes Kinn, als zähle er alle Jahre einzeln nach. "Nun, ehrlich, ich kann es Ihnen nicht genau sagen, allerdings kann ich Ihnen sagen, dass ich ihn nie anders kennengelernt habe. Aber worauf wollen Sie hinaus?" Herr K. schaute den Pförtner mit offenen Augen an, als warte auf irgendeinen Gedankenblitz des Pförtners. Doch er schwieg. "Der Schneider Nadelöhr arbeitet, sagen wir, seit 58 Jahren als Schneider. Nie hat er etwas anderes gemacht, nie einen anderen Beruf kennengelernt, er ist nie in der Stadt umhergezogen, hat sich nie ein anderes Land angesehen. Immer, wenn ihn jemand brauchte, war er da. Finden Sie das nicht seltsam? Ein Kind, das auf die Welt kommt, verweilt vielleicht für eine gewisse Zeit bei einem Spiel, einem Gegenstand oder einer Person, bis ihm die Anregungen zu eintönig werden. Es sucht sich etwas neues, etwas das es weder kennt, noch danach beurteilt, ob es gut oder schlecht ist. Sie kennen dieses Verhalten auch! Neugier!"
Herr K. blickte nochmals ganz intensiv in die Augen des Pförtners, in der Erwartung jetzt könne der Pförtner einhaken. Auch diesmal schwieg er. "Was hat denn nun der Schneider Nadelöhr mit einem Kind zu tun? Ein Mann, mit 78 Jahren Lebenserfahrung, verglichen mit einem vieleicht 2-jährigen Kind, dass die Welt noch vor sich hat?", sagte der Pförtner leicht verärgert, ihm gefiel die Ausführungen des Herrn K. überhaupt nicht, er wusste nichts damit anzufangen und es hatte für ihn auch mit der eigentlichen Angelegenheit nichts zu tun. "Ich sage es Ihnen: Ich bin das Kind.", sagte Herr K. prompt. Der Pfortner zog seine Augenbrauen hoch und seine Mundwinkel verharrten in einem Zustand zwischen Erstaunen und Lächtern.
"Ich bin neugierig auf das, was es noch gibt, aber wovon alle abraten. Ich werde die Stadt verlassen.", sagte Herr K. "Wenn Sie sich sicher sind. Aber einfach machen Sie es sich damit nicht. Sie können nur verlieren: Entweder sterben Sie draußen oder, wenn Sie zurückkommen, wird man Sie den Rest Ihres Lebens tadeln.", schloss der Pförtner. Herr K. ruhte einen Moment, hing gedanklich über diesen schweren Worten. "Der Schneider und all die Leute, die tagtäglich durch die Straßen streifen, sie verfolgen einen Zweck. Erkennen Sie den Irrtum nicht?", erwiderte Herr K. "Was kann denn darin ein Irrtum sein, wenn die Leute einen Zweck verfolgen? Sie werden närrisch!", sagte der Pförtner. Einen Moment verweilte Herr K. an der Seite des Pförtners. Sie blickten über die Stadtmauer auf die weiten Wiesen, die dunkelgrünen Wälder. Herr K. sagte: "Denken Sie an das Kind." und ging.
millionen regentropfen
die wie karrierehungrige politiker
auf meine schultern klopfen
die atmosphäre ist heiter
die sonne taucht auf
ein sprung auf der karriereleiter
mädels in bikinis
tauben auf dem dach
die hengste tag und nacht
sind immer wach
auf der einkaufsmeile
knallen die lichter
durch meine augentrichter
wie gnus am wasserloch
drängeln passanten
eher tanganten doch
an mir vorüber
blick ich
in den grauen himmel
der blickdicht
voller wolkengewimmel
mir die sicht versperrt
die frage bleibt ungeklärt
wie das treiben auf dieser welt
wohl aussenstehenden gefällt.
eben sah ich einen mann in der straßenbahn sitzen. langsam trat eine träne aus seinem auge. sie lief ihm über seine mit dunklen bartstoppeln übersäte wange, versteckte sich erst hinter der zart gerahmten brille und nach einem scheinbar stillen moment, in dem sie innehielt - womöglich überlegte sie umzukehren oder einfach zu verdunsten - raste sie die schmale wange hinab. als sie am untersten kieferknochen angelangte, wischte er, halb um den sensiblen moment berührt, halb routiniert, die träne aus dem gesicht. er schaute sich nicht um, sondern starrte wie schon zuvor aus dem fenster der tingelnden straßenbahn, wobei sein kopf stets in die gleiche richtung gerichtet zu sein schien, während seine augen wach und neugierig alle dinge entlang der strecke verschlangen - sie sprangen hin und her als würden sie in den fassaden, straßen und parks etwas lesen.
ich fragte mich, woher diese träne kam, was ihr anlass war, herauszutreten, welche botschaft sie überliefern wollte oder sollte. ich weiß gar nicht mehr, warum mir gerade dieser mann eigentlich ins auge fiel, offensichtlich schien mich die ruhe und gelassenheit dieses mannes, mit der er die situation meisterte, zu beeindrucken. ein groß gewachsener mann, ein kantiges, jungenhaftes, schon fast mageres gesicht, in einen dunklen filzmantel gekleidet, der einen daumenbreit über seine schultern hinausging, entlang der knopfleiste schimmerte ein weißes hemd durch, leich geknittert, so abgetragen, dass der kragen mühe hatte stehen zu bleiben. kurzgeschorene haare und ein dreitage bart, wie ich ihn schon mehrmals beobachtete, wenn sich männer vermutlich drei tage lang nicht rasierten.
ich konnte mir anfangs nicht erklären, woher diese träne stammte. nach einer weile dachte ich, er habe vielleicht etwas trauriges gedacht, vielleicht an den verlust eines für ihn wichtigen menschen, womöglich hat er einer verpassten chance nachgetrauert, die ihn in seinem beruf weitergebracht hätte. kann sein, dass er sich gefreut hat über etwas. einen kürzlich erlangten abschluss in der schule oder einen erfolg bei einem sportlichen wettbewerb. oder es war ein rein organischer vorgang: ich hatte davon gehört, dass man weint, wenn einfach zu viel tränenflüssigkeit im auge ist. ganz genau weiß ich es nicht, ich vermute einfach, dass es so funktioniert.
ich fuhr eine ganze weile straßenbahn und hatte eine ganze weile zeit diesen mann genau zu beobachten: weder bewegte er seinen kopf, noch drehte er sich um, um zu erkunden, ob er nicht beobachtet wird. ich hatte die erfahrung gesammelt, dass manchmal menschen es spürten, wenn ich sie beobachtete. komischerweise - wurde ich entdeckt - wurde es peinlich für mich und ich drehte mich weg, obwohl es fragen gab, die ich gern gestellt hätte. man starrt eben nicht auf menschen. schade.
da ich keine fortschritte dabei erzielte, darüber nachzudenken, was die träne veranlasst hat aufzutreten, habe ich fantasiert, wie diese träne geschmeckt haben möge. salzig, wenn ihr anlass trauer war oder süß, wenn sie aus freude heraus entstand?
ich dachte auch daran, wie routiniert er die träne, als sei sie belanglos, weggewischt hat. ob er oft eine solche träne seine wange hinunterlaufen spürt? scheinbar passierte es nicht sehr oft, sonst hätte er ein taschentuch parat gehabt für diesen fall. er nahm nur den rücken seiner großen kräftigen hand und drückte sie weg. es fiel mir auf, weil die feinheit dieses wassertropfens , die verwundbare haut, eine andere geste erwarten lies. vielleicht war er es leid, wie ein lied, dass man anfangs gern hört, nicht oft genug hören kann, bis man eben satt davon ist und nun nicht mehr darum kommt, weil es ständig im radio läuft. man verliert manchmal die liebe, wenn das geliebte immer um einen ist. das besondere wird alltäglich, das teure billig. und so wie es billig wird, behandelt man es: hat man es anfangs mit güte, sorgfalt und rücksicht begünstigt, wandelt sich der umgang bald in rohheit, pure nützlichkeit und gleichgültigkeit. dieser mann hatte die träne einfach nur weggewischt, als sei sie eine fliege, die sich immer wieder auf der haut absetzt.
nachdem ich also beobachtet hatte, wie er die träne verwischte, geschah ziemlich nichts. er saß weiterhin am fenster und starrte unbeeindruckt hinaus. was las er? worum kreisten seine gedanken?
was fühlte er? so sehr der mann da saß, ich war außer stande, seine gedanken zu lesen. meistens verlockt so etwas zu allerei ungeheurer annahmen. was ziehen wir nicht alles heran, um die identität eines auffälligen menschen zu ergründen: wie er gekleidet ist, was er sagt, wie er es sagt, was er damit sagt oder gesagt haben könnte, ob er überhaupt etwas zu sagen hat, ob er unsere sprache spricht, ob er möglicherweise reich oder arm ist, freundlich oder gefährlich aussieht. es ist häufig so, dass wir unsere fragen, die uns in den kopf steigen, wenn wir einen interessanten menschen sehen, für uns behalten, weil wir uns nicht trauen nachzufragen. wir fangen an uns antworten aufgrund unserer beobachtungen zusammenzubasteln und je plausibler sie uns erscheinen, desto mehr sind wir davon überzeugt, dass dieser mensch so ist wie in unseren vorstellungen. das wird dann zu einem problem, wenn wir entscheidungen treffen sollen, die uns alle betreffen:
wenn wir entscheiden sollen, wer was bekommt und wer nicht. Oder wenn wir entscheiden sollen, wer für was verantwortlich ist oder nicht. dann kann es passieren, dass wir die menschen, die wir nie gefragt haben und die wir nur in unserer vorstellung kennen, benachteiligen. wenn ich den mann in der straßenbahn doch nur gefragt hätte, was mich interessiert: was er in den fassaden, den straßen und den parks liest, was das für eine träne war und woher er seine ruhe und gelassenheit gehabt hat. man fragt eben nichtt nach. Schade.
"heinrich, komm jetzt endlich!", rief seine mutter, "du wirst eines tages noch gegen eine laterne laufen."
frei sein
heißt verzichten
es gibt nur zwei orte
an denen wir rechtsextremismus
erfolgreich begegnen:
am stammtisch
und in der familie
liebe ist
ein zwanghafter dialog
zu sagen
ich liebe dich
fragt auch immer:
liebst du mich?
der geheime wunsch
der andere
möge sich nach dir sehnen
liebe heilt nichts!
sie ist die freiheit
dass du liebst
wo und wann es passiert
leider ist die liebe ein ritual
ein gesellschaftliches mißverständnis
kaum das du liebst
wächst der wunsch
nach verbindlichkeit:
ehe, haus und kinder
bald ist sie hin
hören parolen
die uns glauben lassen
alles sei liebe
du bist nicht frei, weil du liebst
du liebst, weil du frei bist
an dem tag, an dem ich das erste mal einen fuß auf die straße setzte, bewusster als zuvor, sah ich die stadt, hörte die geräusche und spürte die vibrationen des autoverkehrs. es roch nach parfüm und nach staub. ich sah menschen ihre wege gehen. geschäftig, verträumt, orientierungslos. zwischen den bäumen schlich sich vogelgezwitscher an. als ich das erste mal einen fuß auf die strasse setzte, bewusster als je zuvor, fragte ich mich: was ist der grund für all das? ich ging los. meine wege. geschäftig,verträumt,orientierungslos.
heute weiß ich: es gibt keinen grund. leben ist zwecklos. das leben hat keinen zweck und der zweck für die handlungen, die wir ausführen, erstreckt sich maximal bis zu ihrer wahrnehmung, die wir von ihnen haben.
die stadt von der ich sprach hat einen zweck. die menschen haben einen zweck. die wege, die die menschen gehen, haben einen zweck. aber für wen? wer profitiert denn davon, dass wir uns von geburt an gesetzen und regeln unterwerfen, die von anderen aufgestellt wurden? wer profitiert denn davon, das wir täglich arbeiten gehen, um das geld zu verdienen mit dem wir uns essen und trinken kaufen, eine wohnung mieten? dinge, die uns natürlich zur verfügung stehen würden, ohne das wir einen heller dafür zahlen müssten?
am ufer stehend
ein eisiger wind
zischt zwischen ohren und haaransatz
dass es schmerzt vor kälte
vor den füßen
badet sich die elbe
die erzählt
sie fange alle seelen auf
die den erdenweg verlassen
du liegst da
am schier endlosen rand
wartest auf die fähre
von weitem schleicht
ein altes liebespaar
das ufer entlang
warten
dass die fähre kommt
eine böe berührt mich
plötzlich
bin ich nackt
beginnt es zu regnen
ein schwerer nebel zieht auf
warten
dass die fähre kommt
ungemütlich, nass und kalt
so war es
erzählt die elbe
als ich
in deine arme lief
in der kargen steppe
abseits der großen, rauchenenden städte
an den meisten bäumen
klammern verzweifelt misteln
in der weite
hier und da verwittert
ein altes, modriges bauerngut
in allen köpfen
rechtes gedankengut
in allen?
das vehikel zeit und politik
fuhr vorbei
an den letzten überlebenden
wie leicht fällt
der befreiungsschlag
wenn dein fuß
tief in der erde verwurzelt
und der andere
sich ins neuland wagt?
ich bin ein sammelndes kamel. eine rekombination positiv bewerteter eigenschaften, die ich bei anderen menschen beobachtet habe. ich bin das psychologische ergebnis eines emotionalen, kognitiven baukastenprinzips. transendenz,der übergang meiner selbst, das eins werden mit der welt ist erreicht. ich bin ein jemand ohne eigene identität. ein verkopfter in einem haufen fühliger leute: sie wollen belogen werden. sie wünschen sich den retter, den heiler, den besänftiger, den befriediger, sie wünschen sich, was sie selbst nicht zu erüllen im stande sind. ich gehöre dazu. mein wesen ist ein füllhorn impliziter und expliziter erwartungen und erziehungsvorstellungen. was ich tue, ist nicht notwendig. den beruf, den ich ausübe, muss ich nicht erfüllen. ganz im gegenteil: er ist ein teil einer von leuten erdachten wertschöpfungskette, er ist die beruhigungspille, die mich glücklich machen soll, mit der ich mich identifizieren soll, damit ich sie um jeden preis verteidige, und wenn das bedeutet, dass ich mich totsaufe, aus dem fenster stürze, dann wird das bewusst in kauf genommen. warum sprechen wir sonst nicht über selbstmord? warum nicht über die gedanken dazu? den wunsch zu sterben? es ist offensichtlich: wir selbst sind die zahnräder in einem system, dass nur den oberen 10 000 dient. wir werden geboren und man nimmt uns das recht auf nahrung, auf wohnen, auf schlafen, auf alles, was wir von natur aus machen würden. mit welchem recht?
18.02.2012
nun marschieren sie
im kalten winter
durch den matsch
streift sie die schärfe
die augen tränen
fackeln gegen rosen
ach, das arme dresden
was wäre aus dir geworden
wären wissenschaftler und politiker
nicht gewesen
alles für den krieg
die ideologie
lieferten die nationalsozialisten
die technik
die hoch geadelte wissenschaft
die rechtfertigung
die journalisten
wo waren die moralischen werte?
wie teuer wurden sie erkauft?
wo sind sie heute
die politiker mit ihrer tobsucht?
wo sind sie heute
die wissenschaftler mit ihrer doppelmoral?
wo sind sie heute
die journalisten mit ihrer beißwut?
egal sind die motive
unter denen kriege
jemand betriebe
am ende sterben menschen
so schnell und nach beliebe
wie die eintagsfliege
erfolgreiche diktatoren
lassen besser schneller metzeln
als sich informationen verbreiten
in der kalten winterluft
nackt
beschmiert
mit blut, fruchtwasser
und resten einer plazenta
über den kronen
der nadelbäume,
buchen und eichen
thront ein grauer koloss
das krankenhaus
in dem man mich gebar
stand für mich
nie zur debatte
die maus im käfig
erfreut sich der körner
die sie früher in freiheit
unendlich hatte
einen funken geheim
offen lieg ich
gerissen & geweidet
die ersten geier
häuten mich
nun
da alles von mir öffentlich
der staat
mein vermieter
meine krankenkasse
mich in und auswendig kennt
social media verleitet
zu teilen, zu offenbaren
nur einen rückweg gibt es nicht:
ein dunkles geheimnis
einmal zu tage befördert
bleibt im tageslicht
romantisch erscheint mir
das private:
wen ich liebe
wer von mir ein kind erwartet
wem ich freundschaftlich verbunden
wer mir bruder & schwester sind
nur öffentlich soll sein
mein wille
dinge zu verändern
zum beispiel:
kicken mit freunden im alaunpark
kaum liegt die hülle
der kindheit hinter uns
werden wir zu philosophischen gefangenen
die zelle, in der wir sitzen
besteht aus denkverboten
das recht in frage zu stellen
und zu hinterfragen
wird uns entzogen
als wir kinder waren
war das freilich anders
nur leider
belächelten sie unsere fragen
so gibt es nur einen weg
die lahmen ochsen
vor den geistigen karren der erwachsenen anzustoßen,
unser schicksal in die hand zu nehmen,
statt es zu ertragen:
kinder, hört nicht auf
zu fragen!
in der straßenbahn
sitzen müde leute
in gedanken fern
von hier und heute
abhanden ihr elan
starren sie aus dem fenster
der quietschenden
straßenbahn
oh, kinder
den langersehnten schnee
wird's heuer nicht mehr geben
ja, kinder: ohje,
so ist das leben
doch fällt er eines tages
verdunkelt sich die erde
kommt er als grober hagel
als eures sarges nagel
Falls Sie ein Werk kopieren oder andersweitig verwenden, bitte ich Sie um eine genaue Quellenangabe. Ein Beispiel für die Website: Kaubitzsch, Erik: "[Titel des Werkes]". http://www.gedichtkueche.de, kopiert am 20.05.2012 22:11:25. Dresden, 2012. Ein Beispiel für eine Quellenangabe aus einem der PDF-Dokumente: Kaubitzsch, Erik: "[Titel des Werkes]" aus "[Titel des PDF-Dokumentes]". Verlag gedichtkueche.de. Dresden, 2012.